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#477: Children of the Dark

Children of the Dark ist kein schöner Film. Denn er behandelt ein sehr unschönes Thema: Sextourismus und Organhandel in Thailand. An Kindern. Über den Lauf des Filmes ist eine Reihe an Kindern zu sehen, ihren armen Eltern abgenommen, teilweise über die Grenze Myanmars geschmuggelt, in einen Verschlag gesperrt, bis ein ausländischer Freier seine pädophilen Neigungen an ihnen ausleben will, oder ihrer Organe wegen verkauft. Wenn sie sich mit einer Krankheit anstecken, die sie für weitere Verwendung unbrauchbar macht, schlicht in einen Müllsack gesteck und weggeworfen.

Den narrativen Faden, der das alles etwas zusammenhält, ist eine solche geplante Organtransplantation, Hauptfiguren ein Journalist, der über die Geschichte schreiben will und eine Mitarbeiterin einer Hilfsorganisation, frisch von der Uni, die diese verhindern will. Zudem 3 weitere kleinere Handlungsstränge: Eines um ein Mädchen, dass schon zu Filmbeginn weggeworfen wird, weil sie Aids hat und das es irgendwie schafft doch wieder nach Hause zu kriechen, nur um dort zu verenden. Ein weiteres Mädchen, nach dem die Hilfsorganisation sucht, weil sie zu deren Schulunterricht nicht mehr erscheint, da sie mittlerweile im gleichen Bordell steckt und die gerettet werden kann, nachdem sie ebenfalls wegen der Krankheit weggeworfen werden soll. Und als drittes hintet der Film immer mal wieder an ein dunkles Geheimnis in der Vergangenheit des Reporters, die man schnell raus hat: Er selbst kämpft ständig selbst gegen eigene pädophile Neigungen und hängt sich am Ende auf.

Der Film hat einige Probleme, viele die wohl durch die Thematik begründet sind. Zuallererst ist er mit über 2 Stunden zu lang, zu zerstückelt, zu viel Füllmaterial, zu wenig Stringenz. Erst auf die letzte halbe Stunde bekommt er wirklich Fahrt. Außerdem hat er natürlich keinen wirklichten Unterhaltungswert in dem Sinne, weil das Thema einfach nicht unterhalten darf. Überhaupt die Balance zu halten ist schon ein schweres Unterfangen: Zu weich sein und man läuft Gefahr das Thema zu beschönigen, zu hart und man läuft Gefahr zu effekthascherisch zu sein und einfach nur auf sich aufmerksam machen zu wollen, in dem man ein Tabuthema behandelt. Zu viel Drama und Emotion und man hat nicht die nötige Seriosität bewahrt. Leider nimmt sich für mich der Film dann gleich ein ganzes Stück zu weit von dem Geschehen weg. Zu viel Distanz bedeutet ich bin nicht emotional investiert und mich interessiert wenig, was den Charakteren und Kindern im Film passiert, mag es noch so schlimm sein. Und so war es meistens.

Dabei gibt es ein paar gute Szenen, wie z.B. wenn sie zur Familie stoßen, die sich das Thai-Organ gekauft haben. Die Möchtegern-Weltenretterin der Hilfsorganisation wirft ihnen natürlich vor, wie grausam das ist und das sie im Prinzip für den Mord an einem Thai-Kind verantwortlich sind. Aber so einfach ist das natürlich nicht, denn ihr Sohn ist gerade mal 8 und hat maximal noch 6 Monate zu leben – in Japan ist Organspende unter 15 allerdings verboten und der Zeitrahmen zu kurz, um legal im Ausland einen Spender aufzutreiben. Natürlich sind sie sich bewusst, dass es nicht richtig ist, was sie tun, aber das Leben ihres eigenen Kindes geht ihnen nun mal einfach vor. Solche moralischen Zwickmühlen würden guten Stoff abgeben, sind aber kaum im Film. Stattdessen sieht man die Grausamkeit am Handel mit den Kindern und es ist durchaus löblich, darauf aufmerksam machen zu wollen, aber eben hauptsächlich zu distanziert, mit zu wenig Emotion, um wirklich ans Herz zu gehen. Selbst die Leute, die dagegen eintreten und helfen wollen, wirken fast zu apathisch und machtlos, weil der Kampf gegen das System wie eine Sisyphusarbeit wirkt, ein Kampf den man einfach nicht dauerhaft zu gewinnen können scheint.

Zusätzlich sind die beiden Hauptcharaktere nicht sonderlich sympathisch. Der Journalist schon alleine nicht, weil man wie bereits erwähnt, schon ziemlich schnell seine Leiche im Keller raus hat und die Mitarbeiterin der Hilfsorganisation ist eine viel zu naiver und unreflektierter Moralapostel, der ständig allen nur vorzuhalten scheint, dass sie sich nicht genug engagieren etc., das man sie am liebsten Ohrfeigen würde, damit sie die Augen ob einer solch komplexen Situation endlich mal auf bekommt, anstatt ständig nur vom hohen Ross zu verurteilen.

So distanziert, emotionslos und nüchtern zu sein mag wahrscheinlich durchaus der Punkt der ganzen Sache sein, da es nun mal um ein unangenehmes Thema geht und dies entsprechend realistisch hingestellt werden soll, somit ist ein unangenehmes und sperriges Ergebnis durchaus gewollt, aber macht es das wirklich besser?


16.6.10 00:24
 


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