Durch die vor gut einer Woche fertig gewordene Fantranslation zu Policenauts hab ich mich jetzt doch endlich dazu hinreißen lassen, dies und Snatcher spielen zu wollen. Mal sehen wie sie so sind, gehyped werden sie ja genug.
Snatcher ist dabei schon 1988 auf MSX/PC88 (natürlich) nur in Japan erschienen und auch die 92er PC-Engine-Version blieb im Land der aufgehenden Sonne. Dafür gab es auf dieser basierend für den Westen 94 eine Version für Sega CD, die es wiederum nicht nach Japan schaffte - die dafür wieder 2 Jahre darauf das Spiel auf PSX/Saturn bekamen. Kompliziert.
Ich selbst hab mit Hideo Kojima jetzt noch nicht sooo viel Erfahrung gesammelt, da z.B. Metal Gear total an mir vorbei ging. Sowohl die alte Serie auf MSX, NES und Co. wie auch die Solid Quadrilogie. Allerdings hab ich die "Mecha Anime turned Game" Zone of the Enders.
Es ist ja wohl bekannt, dass Kojima lieber Filmemacher geworden wäre, und deswegen sein Gameplay-zu-Story-Verhältnis arg ins Wanken geraten kann. Durch das Alter von Snatcher musste der Mann allerdings das Spiel tatsächlich Gott sei Dank mit... Spiel... füllen. Das Sega CD/PC Engine haben zwar dank CD-Medium gut platz für Cutscenes und Voice Acting, aber das Original ist ja wie gesagt von 88 und dem MSX kommend. Trotzdem klaut der Herr Kojima sich für seine Story ordentlich aus US-Action-Streifen der 80er zusammen, wodurch man sich beim Spielen dank der optischen Präsentation direkt wie in nem End-80er/Anfang-90er-Anime der Marke Cyberpunk a la Bubblegum Crisis und Co. fühlt. Was mir sogar sehr gefallen hat. Denn ein was bekommt Snatcher unglaublich gut hin: Atmosphäre. Spätestens nach der ersten halben Spielstunde ist man total von dem Spiel eingesaugt und kann kaum noch zu spielen aufhören.
Als jemand, der gern ne Geschichte rüber bringt hat Kojima dabei auf das Adventure-Genre zurückgegriffen. Statt zu pointen & clicken läuft Snatcher allerdings über ein Menü. Zusammen mit der sehr fokusierten Erzählstruktur wird das Spiel dann auch nicht sonderlich schwer. Es gibt halt immer eine sehr überschaubare Anzahl an Lokalitäten, die gerade besucht werden und Aktionen die in ihnen vorgenommen werden können. Zwischendurch gibts dann noch actionreiche Shooting-Einlagen, die am Anfang sehr selten, gegen Ende aber etwas häufiger sind. Im Prinzip zieht man seine Waffe, wodurch das Sichtfeld in ein Grid von 9 Feldern unterteilt wird und man halt in das schießen muss, wo der Gegner auftaucht. Zum Glück sind die nicht sonderlich schwer und selbst wenn man stirbt gelangt man übers Continue direkt wieder an den Anfang der Einlage. Lediglich die Shooting-Sequenz am Spielende fand ich sehr frustend. Hier sieht man dann auch, welche Richtung spätere Kojima-Spiele einnehmen werden: Die Ending-Cutscene danach geht über ne halbe Stunde.
Also mir hat Snatcher wirklich auserordentlich gut gefallen, was mich selbst sogar ein kleines bissl überrascht hat. On to Policenauts!